1. Fachtagung "Anbau und Nutzung von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen"
am 6. und 7. November 2006 an der TU Dresden in Tharandt

Die Themen Energie und die Versorgungssicherheit bestimmen immer stärker die öffentliche Diskussion. Steigende Öl- und Gaspreise bescheren dem Anbau und der Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe eine Hochkonjunktur. Der bedeutendste, das Holz, wird knapp, die Preise steigen - eine Folge des extensiven Ausbaus der Holz verarbeitenden Industrie (Schnittholz, Holzwerkstoffe, Zellstoff) und der verstärkten energetischen Holznutzung in Privathaushalten und Biomasse-Kraftwerken. Die Diskussionen um den Vorrang der stofflichen oder der energetischen Holzverwertung machen Jedem die Brisanz der Entwicklung bewusst. Nachdem die anfängliche Euphorie um die Ergebnisse der BWI2 verflogen ist, besteht die Frage, woher das Holz denn kommen könnte. Zwar verfügen die Wälder in Deutschland mit ca. 3,4 Mrd. m³ Vorrat über ein großes Potenzial, doch ist dieses nicht vollständig nutzbar.
Gleichzeitig unterliegt die EU-Agrarpolitik einem Strukturwandel. Mehr als 1 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche sind derzeit in Deutschland stillgelegt. Auf einem Teil davon werden bereits nachwachsende Rohstoffen wie Raps angebaut. Stilllegungsflächen eignen sich aber ebenso zur Anlage von Kurzumtriebsplantagen mit schnellwachsenden Baumarten.

Diese könnten auf stillgelegten Ackerflächen für ein größeres Holzangebot sorgen. Bisher gab es dazu kaum praxisreife Verfahren. Aufgrund des gegebenen Forschungsbedarfs fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung in diesem Zusammenhang die drei Forschungsprojekte AGROWOOD, AGROFORST und DENDROM. Durch deren Zusammenarbeit sind bereits zahlreiche Verknüpfungen und Synergieeffekte entstanden.
Nach einem Jahr Laufzeit fand an der TU Dresden in Tharandt eine zweitägige gemeinsame Fachtagung der drei Verbünde zu diesem Thema statt. Ausrichter der Veranstaltung waren die Partner des Projektes AGROWOOD. Das von der Professur für Forst- und Holzwirtschaft Osteuropas an der TU Dresden von Prof. Albrecht Bemmann koordinierte Forschungsvorhaben hat das Ziel, Erzeuger und Verbraucher landwirtschaftlichen Plantagenholzes zusammenzubringen. Die Optimierung von Ernte, Anbau und Vermarktung sind ebenso Gegenstand der Forschung wie ökologische Auswirkungen der Kurzumtriebsplantagen. Partner sind Landwirte, kleine und mittelständische Unternehmen und renommierte Firmen wie CHOREN Industries aus dem sächsischen Freiberg. Einen anderen Ansatz verfolgen die Partner von DENDROM der Fachhochschule Eberswalde unter der Leitung von Prof. Murach. Ziel ist es, ganzheitliche Strategien und Handlungskonzepte zum gesamten Holzaufkommen für die indirekte und direkte energetische Nutzung zu erarbeiten. Das Projekt AGROFORST (Prof. Spiecker) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg untersucht, inwieweit agroforstliche Bewirtschaftungskonzepte mit Laubbäumen im Weitverband aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht als Alternativen zu den bislang räumlich streng getrennten land- bzw. forstwirtschaftlichen Nutzungen in Frage kommen.

Neben den Partnern aus den Verbundprojekten waren zahlreiche mit der Thematik befasste Wissenschaftler und Praktiker zugegen. Die Aktualität der Kurzumtriebswirtschaft unterstrichen Frau Schütze vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Herr Stolte als Vertreter der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe Gülzow. Ausländische Referenten und Gäste kamen aus Österreich, der Schweiz, Polen und Tschechien. Das große Interesse am Thema Kurzumtriebsplantage manifestierte sich in einer Teilnehmerzahl von mehr als 250 Personen. Aufgrund der starken Resonanz der Tagung bei Fachleuten und Studenten wurden die Vorträge per Videoschaltung zusätzlich ins Foyer des Tagungsgebäudes übertragen.

Geeignete Baumarten und Sorten
Frau Dr. Boelcke (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern) ging in ihrem wissenschaftlich fundierten Vortrag auf die seit 12 Jahren bestehenden Kurzumtriebsplantagen mit Weide in Mecklenburg-Vorpommern ein. Die im 3-jährigen Umtrieb bewirtschafteten Flächen erbrachten nach vier Rotationen (12 Jahre) durchschnittlich zwischen 7 und 10 t Trockensubstanz je ha und Jahr. Sie mahnte an, den großflächigen Anbau nur mit regional empfohlenen Sorten zu starten. Das Ziel der Landesanstalt bestehe unter anderem darin, in Abhängigkeit von Standorten und Bewirtschaftungsintensität (Rotationsdauer) eine entsprechende Sortenempfehlung auszusprechen.
Die Notwendigkeit der Züchtung von standortangepassten Sorten betonte auch Prof. Röhle (Professur für Waldwachstum und Holzmesskunde, TU Dresden). Die Biomasseproduktion hängt neben der Wasser- und Nährstoffversorgung erheblich vom Pflanzverband ab. Eine sichere Ertragsschätzung in Kurzumtriebsplantagen ist nur bei homogenen Standortsverhältnissen möglich. Die bisher häufig kleinflächige Anlage solcher Plantagen, oftmals auf Splitterflächen, erschwert die Vergleichbarkeit von Ergebnissen.
Der Vortrag von Herrn Dr. Hofmann (Hessen Rohstoffe) befasste sich speziell mit der Sortenfrage bei der Pappel. Um in kurzen Produktionszeiträumen hohe Erträge zu erzielen, ist die Wahl der geeigneten Pappelsorten die Grundlage. Für nährstoffarme und gleichzeitig grundwasserferne Böden konnte Dr. Hofmann keine Pappelsorte für den großflächigen Anbau empfehlen, die Risiken seien zu groß. Nur bei ausreichender Wasser- und Nährstoffversorgung ließen sich Pappel-Plantagen wirtschaftlich sinnvoll betreiben. Die in der Landwirtschaft verwendete Ackerzahl ist in diesem Zusammenhang nur bedingt aussagefähig. Grundwasser, das annuelle Kulturen oftmals nicht erreichen können, kann z. B. durch Pappeln durchaus erschlossen werden.
Dass bei der Sortenfrage gerade in der Praxis erheblicher Klärungsbedarf besteht, zeigte auch die anschließende Diskussion. Die in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ausgesetzte Züchtungsforschung wirkt sich nun negativ aus. In Italien, Belgien und Frankreich besteht das Problem in dieser Form nicht. Zudem unterliegt die Pappel in Deutschland dem Forstvermehrungsgutgesetz. Danach ist nur das Inverkehrbringen von geprüftem Ausgangsmaterial zulässig. Von allen Vortragenden wurde angemahnt, den Rückstand auf züchterischem Gebiet aufzuholen. Hier sind die entsprechenden Gremien gefragt, schnellstmöglich entsprechende Gelder für die Züchtungsforschung bereit zu stellen.

Technologie und Vermarktung
Dr. Scholz (Institut für Agrartechnik Potsdam Bornim) erläuterte die bislang angewandten Verfahren der maschinellen Pflanzung und Ernte. In der Praxis gibt es bereits eine Vielzahl von Untersuchungen zu diesem Themenkreis. Die Erntekosten bewegten sich nach den Angaben von Dr. Scholz in einem Rahmen von 8 €/t TS bis zu 28 €/t TS. Ähnliche Schwankungen zeigen die Anbaukosten. Häufig ist eine direkte Vergleichbarkeit aufgrund standörtlicher oder maschinentechnischer Unterschiede nicht gegeben. Um interessierte Landwirte für den Ausbau der Kurzumtriebswirtschaft zu gewinnen, besteht gerade auf dem Gebiet der Kosten für Anbau, Ernte und Rekultivierung der Flächen weiterer Forschungsbedarf. Dr. Scholz wies nachdrücklich auf die Möglichkeit hin, in Kurzumtriebsplantagen auch Holz für die stoffliche Verwertung zu erzeugen. So wurden die Plantagen METHAU in Sachsen 1996 im Auftrag von StoraEnso eigens für die Zellstoffherstellung angelegt. Die Stecklingszahlen müssten für die stoffliche Holzverwertung weiter gewählt werden als bei der reinen energetischen, um eine höhere Biomasse je Einzelbaum zu erzielen.
Für die Hackgutlinie stehen bereits leistungsfähige Feldhäcksler-Schneidwerke zur Verfügung, im Wesentlichen allerdings nur für Weide mit einem Wurzelhals-Durchmesser bis 70 mm. Für Pappeln älter als zwei Jahre ist prinzipiell ein im Vergleich zu Vollerntern preiswerter Anbau-Mähhacker geeignet, der technisch allerdings noch nicht ausgereift ist. Die produzierten Grobhackschnitzel sind gut lagerfähig, überschreiten aber in den Hackschnitzelabmessungen die vorgegebenen Höchstmaße für eine automatische Beschickung von Holzfeuerungsanlagen.

Eine zentrale Frage stellt die Vermarktung von Holzhackschnitzeln aus Kurzumtrieb dar. Landwirte, die sich zur Anlage einer Kurzumtriebsplantage zur energetischen Nutzung entschließen, wollen im Vorfeld wissen, an wen sie ihr Produkt schließlich verkaufen können. Wie in der Landwirtschaft sollen Erzeugergemeinschaften den Absatz koordinieren. Herr Dr. Landgraf (Finsterwalder Institut für Bergbaufolgelandschaften FIB e.V.), Partner im AGROWOOD-Projekt, stellte seine Erfahrungen anhand der „Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden e.V.“ dar. Mit dem „Wirtschaftsraum Schraden e. V.“ existiert im südlichen Brandenburg seit dem Jahr 2000 eine aktive Interessenvertretung. 2002 wurde die Region in die europäische Gemeinschaftsinitiative LEADER+ aufgenommen. Abnehmer für Holzhackschnitzel sind gegenwärtig schon vorhanden. Die Ziele der Erzeugergemeinschaft umriss der Referent mit der Anlage von großflächigen Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen, der Ausnutzung von Holz lokaler Privatwaldbesitzer sowie der Einwerbung von Fördergeldern. Gerade der letzte Punkt ist in Brandenburg noch nicht abschließend geklärt. Während die Länder Sachsen und Thüringen Fördermaßnahmen für die Anlage von Kurzumtriebsplantagen planen, kommen aus Potsdam bislang keine Signale. Dr. Landgraf wies darauf hin, dass unter schwierigen Standortverhältnissen (arme Böden, Wassermangel) eine Anschubfinanzierung unumgänglich erscheint. Nur dann sind Landwirte bereit, die zweifellos noch bestehenden Risiken bei der Anlage von Plantagen auf Ackerflächen zu tragen und auch Flächen mit einer wirtschaftlich sinnvoll erscheinenden Größe mit schnellwachsenden Baumarten zu bepflanzen.
Neben vielen ökonomischen Vorzügen zeichnen sich Kurzumtriebsplantagen auch durch ökologische Vorteile aus. Beispielhaft wurden in verschiedenen Vorträgen die Bereicherung des Landschaftsbildes (Dr. Krause, RWTH Aachen), Funktionen des Biotopverbundes und die Lebensraumfunktion für Pflanzen und Tiere (Dr. Liesebach, Internationale Biometrische Gesellschaft, Waldsieversdorf) genannt. Gerade in ausgeräumten Agrarlandschaften können auch Baumstreifen in die Feldflur integriert werden. Diese wirken Wind- und Wassererosion entgegen. Durch Kurzumtriebsgehölze können sowohl im Holz als auch im Boden bedeutende Mengen an Kohlenstoff gespeichert werden: ein Beitrag zur CO2-Bindung. Als Vergleichsbasis für die Umweltwirkungen sollten mit sachlichem Bezug ausschließlich annuelle Kulturen und nicht naturnaher Wald herangezogen werden.

Rechtssicherheit bei Kurzumtriebsplantagen
Die Rechtslage zu Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Silllegungsflächen ist klar geregelt. Trotzdem bestehen bei Landwirten Unsicherheiten. Landwirtschaftliche Stilllegungsflächen verlieren durch den Anbau schnellwachsender Gehölze ihren Status nicht. Sie werden nicht zu Waldflächen im Sinne von § 2 Bundeswaldgesetz. Derzeit wird im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geprüft, ob und mit welcher Maßgabe Schnellwuchsplantagen generell vom Waldbegriff ausgenommen werden können. Der Bundestag hat im Rahmen einer Gesetzesnovelle bereits am 13. April 2006 beschlossen, dass auch solche landwirtschaftlichen Flächen den Anspruch an Silllegungsflächen erfüllen, die für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen genutzt werden. Sollen solche Plantagen auf Dauergrünland begründet werden, ändert sich dessen Status in den einer Dauerkultur. Dementsprechend sind die Regelungen der Bundesländer zu beachten.

Die Tagung hat die Aktualität des Themas „Holzerzeugung in Kurzumtriebsplantagen“ in eindrucksvoller Weise bestätigt. Das Verbundprojekt AGROWOOD lieferte den Beweis, dass man mit dem Thema über den „forstlichen Tellerrand“ schaut. Der Zusammenarbeit von Land- und Forstwirten wurde unter anderem durch die anwesenden Vertreter der Sächsischen und Thüringischen Landesanstalten für Landwirtschaft (Dr. habil. Röhricht, Dr. habil. Vetter), durch interessierte Landwirte und Vertreter von Landwirtschaftsämtern Nachdruck verliehen. Der im Rahmen der Tagung herausgegebene Tagungsband kann mit allen Vorträgen und Erläuterungen käuflich erworben werden (kontakt@agrowood.de).

   
   

 

 

 


INFOAREA
Vorträge zu den thematischen Schwerpunkten der Tagung:

Block 1 - Ökologie

01_Herzog_Bewertung
02_Liesebach_Biologishe Vielfalt
03_Schneider_Wirkung
04_Heißenhuber_Decoupling

Block 2 - Ertragsmessung

06_Boelcke_Weide in KUP
07_Röhle_Ertragsschätzung
08_Murach_Methoden
10_Aretz_Potenzialstudien
11_Schäfer_Agroforstsysteme MV

Block 3 - Produktion


12_Gerold_Befragung von
Landwirten

13_Landgraf_Regionale
Stoffkreislaeufe

14_Hofmann_Sortenfrage
15_Möndel_Landwirtschaftliche
Produktionsverfahren
16_Schweinle_
Betriebswirtschaftliche
Rahmenbedingungen

18_Brix_Wertholzproduktion
19_Röhricht_Untersuchungen
zu KUP


   
nach oben